Es gibt viele Gesundheitstage im Jahr, aber kaum einer ist in der Physiotherapie wohl von so großem Interesse wie der Tag der Rückengesundheit.

Rückenschmerzen

gehören zu den häufigsten Konsultationsgründen in der Hausarztpraxis. Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung ist die Abklärung der Ursachen. Neben einer möglichst zügigen Schmerzlinderung sollte eine Chronifizierung des Schmerzes vermieden werden. Bei nichtspezifischen Rückenschmerzen ist ein multimodaler Behandlungsansatz mit medizinischen, physischen, berufsbezogenen und verhaltenstherapeutischen Komponenten sinnvoll.

Dieser kann in spezialisierten Schmerzambulanzen oder auch ambulant in Kooperation mit Physiotherapeuten erfolgen. Speziell bei anhaltenden Schmerzen kann Physiotherapie, vorzugsweise mit edukativen Maßnahmen nach verhaltenstherapeutischen Prinzipien, eingesetzt werden. Hausärzte sollten ihre Patienten zudem frühzeitig darüber aufklären, dass körperliche Schonung kontraproduktiv ist. Darüber hinaus sei es wichtig, dass die Fortschritte der Maßnahmen regelmäßig kontrolliert und bei unbefriedigender Wirkung gegebenenfalls ärztlich geändert werden.1

Neue Erkenntnisse

Diane Slater und ihre Co-Autoren diskutieren in ihrem Artikel „Sit up Straight: Time to re-evaluate“ aus dem  Journal of Orthopaedic and Sports Physical Therapy (JOSPT) die aktuellen Forschungsergebnisse hinsichtlich Haltung und Wirbelsäulenschmerzen. Pt – Zeitschrift für Physiotherapeuten hat die Punkte, von denen sicherlich der ein oder andere überraschen wird, auf Deutsch zusammengestellt:

  1. Es gibt nicht die eine „korrekte“ Haltung: Entgegen der häufigen Annahme, gibt es keine ausreichende Evidenz für die eine „korrekte“ Haltung, die optimal ist. Zudem gibt es keine typischen, inkorrekten Haltungspositionen, die Rückenschmerzen verursachen.
  2. Unterschiede in der Haltung sind normal: Jeder Mensch verfügt über eine individuelle Wirbelsäulenkrümmung. Es gibt keine Krümmungsform, die speziell mit dem Auftreten von Schmerzen assoziiert ist. Treten Schmerzen auf, so sollten sie nicht direkt mit „nicht normalen“ Krümmungsformen in Verbindung gebracht werden.
  3. Die Haltung spiegelt den emotionalen Zustand wider: Die Haltung kann viel über den emotionalen Zustand, die Gedanken und das eigene Körperempfinden einer Person aussagen. Es kann hilfreich sein, die Gründe zu analysieren, die sich hinter gewissen Haltungen verbergen.
  4. Es ist nicht gefährlich, eine bequemere Haltung einzunehmen: Je nach Mensch variieren als bequem empfundene Haltungen. Das Austesten verschiedener Haltungen – auch jene, welche oft vermieden werden – und ein Verändern der gewohnten Haltung kann zu einer Verbesserung der Schmerzsymptomatik beitragen.
  5. Die Wirbelsäule ist robust: Sie stellt eine robuste, anpassungsfähige Struktur dar, die in einer Vielzahl von Formen, bewegt und belastet werden darf.
  6. Sitzen ist nicht schädlich oder gefährlich: Das Sitzen in ein und derselben Position für mehr als 30 Minuten ist nicht gefährlich oder schädlich. Trotzdem kann es sinnvoll sein, sich zwischendurch hin und her zu bewegen und sonst auch körperlich aktiv zu sein.
  7. Es gibt nicht eine universelle Lösung für alle: Das Screenen von Haltungen und Bewegungen am Arbeitsplatz trägt nicht dazu bei, Schmerzen vorzubeugen. Gewisse Hebe-Techniken sind aufgrund der natürlichen Wirbelsäulenkrümmung zu bevorzugen. Zum häufigen Ratschlag, eine spezielle Haltung einzunehmen oder auch für ein Bracing des Cores liegt keine Evidenz vor. 2

 

Quelle 1: Bei nichtspezifischen Rückenschmerzen auch Physiotherapie verordnen – up|unternehmen praxis (up-aktuell.de)
Quelle 27 Fakten zur Haltung, die euch vielleicht überraschen werden – pt Zeitschrift für Physiotherapeuten

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